Sonntag, 21. Juni 2009
Stravinsky, Petrushka und die freien Räume
Sommersonnenwende...
Mike war sich nicht ganz sicher, ob diese Nacht nun die kürzeste des Jahres sei oder erst die morgige. Also habe ich nachgeschaut und festgestellt, dass er mit seiner Vermutung ganz richtig lag- morgen, also heute.
Und das nicht nur aus astronomischer Sicht.
Die Location, in der "The.Lab" ihre Party feierten, war nicht schlecht. Frankfurter Tor, Berlin, mit Blick auf die Karl-Marx-Allee, dahinter der Funkturm, und das aus ca. 30m Höhe. Zum Rauchen ein Austritt rundrum, zum draussen bleiben etwas zu kalt.
Anlass waren unter anderem die Short Cuts die The.Lab im Dock 11 heute veranstaltet. Dass wir eingeladen waren, hat zu tun mit der Petrushka-Produktion, zu der wir 25 min Musik liefern. 25min neue Musik, deren Produktion eine Gratwanderung ist zwischen den Ansprüchen zeitgenössischen Tanzens und der charismatischen Vorlage von Stravinsky, in die die Musik eingebettet wird. Ich vermute, dass Stravinsky ein solches Prozedere nicht verurteilen würde, wer weiss, wie Komponisten dieses Kalibers heute agierten, mit all den Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung, oder anders, wo sind die Komponisten dieses Rangs? Schwer vorzustellen, dass Menschen heute weniger talentiert oder genial sein sollten, aber wie andererseits, wie soll man sie erkennen in dem unsäglichen Wust an mp3s, deren Hauptzweck doch inzwischen die Kaufentscheidung nach wenigen Sekunden Hörens ist.
Mal ehrlich, wer nimmt sich die Zeit, mehr als ein paar Sekunden einer unbekannten Musik anzuhören, wenn er nicht irgendeinen Hinweis bekommen hat, dass es sich lohnt.
Sicher, auch Aufführungen von Stravinskys Musik wurden nicht immer von allen Zuhörern bis zum Ende verfolgt, es gab sogar Protest, man verliess den Saal, die Musik entspracht nicht dem Erwarteten.
Stravinsky traf den Nerv, weil er seiner Zeit voraus war, das Publikum konnte das nicht wissen, aber wir heute wissen das.
Was wir nicht wissen, zumindest ich nicht ist, woran wir die Stravinskys heute erkennen sollen, wo die Nerven sind, die getroffen werden können, und wo der Vorsprung der Kunst in der Entdeckung der freien Räume ist, in denen das Publikum sich zunächst verloren glaubt.
Zumindest unsere Produktion, die den inzwischen nicht mehr anstössigen Stravinsky mit einem Kontext zeitgenössischer Musik in ein Bett legt, könnte zu Diskussionen anregen. Und wie schön wäre es, wenn diese nicht nur aus einem kunstkonservativen Lager käme.
Auf der Party jedenfalls hatten wir ausreichend Gesprächsstoff, das Umfeld von Ballett ohne Scheuklappen bietet einen idealen Nährboden für feingeistiges im Einklang mit physischer Präsenz. Wie soll ich sagen...sexy, ohne dumm zu sein.
Vielleicht nicht der schlechteste Schlusssatz. Wie auch immer, was folgt auf die kürzeste Nacht? Der längste Tag!
Also dann...
Mittwoch, 14. Januar 2009
Studio geht an den Start
der Flügel wurde gestimmt und sieht jetzt gelassen seinen ersten Einsätzen entgegen. Bei der aktuellen Produktion werden wir ihn wohl nicht brauchen. Dafür bevölkern diverse Bässe die Regie, zum Glück brauchen die nicht so viel Platz.
Es war live dabei: Mr Hifish
Frage:
What was wrong with your old bass?
Antwort:
ist bekannt
Resumé:
dab-dab-dabab-dah
